Zum Inhalt springen
Wolfstieg-Wiki Wolfstieg-Gesellschaft

Die Bauhütte · Jahrgang 1 · Inhalt

Latomia. Freimaurer-Vierteljahrschrift. XIV. Band

ungezeichnet — Die Bauhütte. Illustrirte Freimaurerzeitung, Jg. 1, Nr. 2, S. 14 Literarische Besprechung

Latomia. Freimaurer. Vierteljahrschrift. XIV. Bd. (18 Bogen mit Abbildungen). Leipzig, Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber. 1858. 2 Thlr.

Wir haben das Wiederaufleben der Latomia, welche seit dem J. 5854 zu erscheinen aufgehört hatte, bereits bei Veröffentlichung der ersten Hälfte dieses Bandes in der Freimaurer-Zeitung (Nr. 17, S. 134) als ein erfreuliches „Zeichen der Zeit" begrüsst, und wir können dies jetzt um so mehr, als in der Vorrede in Aussicht gestellt ist, dass sie von nun an in regelmässigen Fristen erscheinen wird.

Dass sich die Latomia als Vierteljahrsschrift mehr nur mit dem Vollendeten und Abgeschlossenen, also mehr mit der Vergangenheit als mit der Gegenwart, mehr mit dem Allgemeinen als mit dem Besonderen, mehr mit Uebersichten und Zusammenstellungen als mit Einzelerörterungen befassen und demgemäss vorzugsweise einen mehr historischen und archivalischen Charakter haben müsse, liegt in ihrem Wesen, und diesen Standpunkt nimmt denn auch der vorliegende Band wirklich ein. Wir finden unter der Rubrik „Maurerische Tempelbilder" nur historische Berichte, dagegen leider keine Spur jener wissenschaftlichen Arbeiten, an denen die früheren Bände so reich waren. Doch dürften solche vielleicht in den folgenden Bänden wieder Aufnahme finden, da die Redaction bekennt, dass sie derselbe Geist und die gleiche Gesinnung, mit welcher sie die Latomia begonnen, auch bei der Fortsetzung dieser neuen Folge leiten werde. Was die erwähnten Berichte selbst angeht, so wissen wir zwar ihre Ausführlichkeit sehr wohl zu schätzen, möchten aber doch fast glauben, dass ihnen eine mehr historische, weniger protokollmässige Darstellungsweise zu Statten kommen würde.

Den Tempelbildern reihen sich gewissermassen als Ergänzungen und historische Belege die „Festgedichte" an und diesen folgen „Literarische Besprechungen" mehrer deutscher und ausländischer maurerischer Schriften. Der bedeutendsten derselben (Gegenwart und Zukunft der Freimaurerei in Deutschland. Von einem ehemal. Logenbeamten. Leipzig) ist allerdings wie billig der meiste Raum gegönnt worden, nichtsdestoweniger hätte dieselbe immer noch ein tieferes Eingehen, nach der einen Seite hin weit schärferen Tadel, nach der andern weit wärmere Anerkennung und stärkeres Hervorheben der darin enthaltenen Wahrheiten verdient. Wir hoffen auf diese wichtige Erscheinung in einem besonderen Aufsatze „Zur Kritik und zur Reform der Freimaurerei" des Weiteren zurückzukommen und bedauern hier nur, dass derartige Kundgebungen individueller Ansichten von (sogenannten) Brüdern an die grosse Glocke der Oeffentlichkeit vor der profanen Welt gehangen werden, statt dieselben vor dem Forum des Bundes selbst zum Austrag zu bringen. Hoffentlich wird man inskünftig stets die Spalten der „Bauhütte" benützen, wenn man etwas „zur Warnung und Rettung" des Bundes und seiner Sache vorzubringen hat. Wir werden auch die schärfsten und selbst übertriebenen Anklagen und Angriffe nicht zurückweisen und uns nur erlauben, in Gegenartikeln auch unserer Meinung Geltung oder wenigstens Gehör zu verschaffen.

Wenn dieses geschieht, wird man ferner nicht mehr der Maurerei schaden, wo man ihr nützen wollte.

Von den übrigen Rubriken: „Biographische Schilderungen", „Bibliographie der Freimaurerei" — (Verzeichniss der in Deutschland und Frankreich in den J. 1850 — 1857 erschienenen maurerischen Werke) — „Statistik der Freimaurerlogen" (Deutschland), „Bundeschronik" (Deutschland, Schweiz, Frankreich) „Mannigfaltigkeiten" möchten wir die Bibliographie und Statistik ihrer Vollständigkeit und möglichst annäherungsweisen Richtigkeit wegen besonders hervorheben.

Aus der Statistik ergiebt sich, dass Deutschland am Schlusse des Jahres 1852: 252 Werkstätten mit 21,675 Mitgliedern zählte, während eine Zusammenstellung der letzteren nach Stand und Beruf nachweist, dass der Stand der Kaufleute (4820), der nichtjuristischen Staatsdiener (2144), der Juristen (1789), der Künstler (1774) am stärksten, dagegen der Stand der Studenten (50), der Thierärzte (47), der fürstlichen und hohen Standespersonen (19) und jener, deren Beruf nicht angegeben ist (19), am schwächsten vertreten ist. Unter den Grosslogen ist die der Gr. Nat. Mutterloge z. d. 3 Weltkugeln in Berlin die stärkste (92 Logen mit 8291 Mitgliedern), die Gr. L. z. Eintracht in Darmstadt die schwächste (3 Logen mit 245 Mitgl.).

Gegenwärtig bestehen (der Latomia zufolge) in Deutschland 309 Logen, 263 active und 46 ruhende, von denen 210 unter den 3 preuss. Gr. L. in Berlin stehen, 18 (active) unter der Gr. L. von Hamburg, 17 (active) unter der Gr. L. des Kgr. Hannover, 14 unter d. Gr. L. L. von Sachsen, 13 unter der Gr. M. L. des eklekt. Fr.Mr.bundes zu Frankfurt am M., 9 unter der Gr. L. zur Sonne in Bayreuth, 3 unter der G. L. zur Eintracht in Darmstadt, 2 unter dem Suprême Conseil maç. de Luxembourg, 1 unter der Gr. L. von England zu London, 1 unter der Gr. L. von Dänemark zu Kopenhagen und 7 active Logen bestehen als isolirte ohne maurerische Oberbehörde. —

Die Ausstattung der Latomia ist vorzüglich, und die beigegebenen Abbildungen verleihen ihr ein besonderes Interesse. So sei sie denn der Beachtung der Brüder bestens empfohlen!

Br. J. G. F.

↑