Die Bauhütte · Jahrgang 1 · Inhalt
Erkennungszeichen der Maurer
Brugger — Die Bauhütte. Illustrirte Freimaurerzeitung, Jg. 1, Nr. 8, S. 57 Wissenschaftliche Abhandlung
Von Br. Brugger in Heidelberg.
Z., G. und W. sind zwar allen Bbrn. längst bekannt, weil sie schon gleich bei der Aufnahme dem Lehrlinge mitgetheilt werden. Dessenungeachtet dürfte sich noch Manches mittheilen lassen, was bisher noch nicht zur Kunde Aller gelangt ist. Wir wollen es versuchen.
Zuerst fragt man bei allen Dingen nach dem Grunde, nach der Ursache, nach dem Warum, also auch hier. Warum wählten schon die Alten, vielleicht schon in den ägyptischen und griechischen Geheimbünden, — wenn wir gleich die Mrei. nicht davon geradezu ableiten wollen — nur drei solche Dinge als Erkennungszeichen, warum nicht mehr, und warum gerade diese?
Wohl aus folgenden Gründen: Erstens, wegen der h. Z., welche schon im höchsten Alterthume von den Weisen und Eingeweihten der gebildetsten Völker mit hoher Verehrung betrachtet und später sogar im Christenthum — ungeachtet im A. und N. Bunde das Wort gar nicht vorkommt, und selbst die Vernunft auf Einheit dringt — als Dreieinheit oder Dreieinigkeit eingeführt wurde und jetzt noch für das grösste Geheimniss gilt, das freilich kein Mensch begreifen wird. Doch jeder Glaube ist nach maurerischen Grundsätzen berechtigt zu seinen Ansichten, darum gestatten wir jedem seine Freiheit.
Zweitens, weil diese drei Dinge auf den höchsten Sinnen, dem Gesicht, Gehör und Gefühl beruhen, die hier in diesem Falle nicht täuschen können, welche dem gesunden Menschen immer zu Gebote stehen und durch die sich bei Tag und Nacht, ohne dass es Nichteingeweihte bemerken, der Br. dem Br. zu erkennen geben kann.
Drittens, weil sie allgemein bei allen Völkern der verschiedensten Sprachen und Glaubenschaften, in allen Himmelsstrichen als die einfachsten, natürlichsten und somit sichersten Erkennungszeichen* können verbreitet werden, die sich unauslöschlich dem Gedächtnisse einprägen und leicht zu vollführen sind.
Das mögen in der Hauptsache die Gründe sein, warum schon von Alters her nur diese drei Dinge, und gerade diese als Erkennungszeichen der Bbr. eingeführt und vorgeschrieben wurden.
Nun wollen wir einen Blick auf jedes einzelne dieser Merkzeichen werfen und zwar zuerst auf das Z. Hier wollen wir dreierlei in Erwägung ziehen.
Erstens bezieht sich dasselbe auf einen wichtigen Gegenstand des Mr., auf das feierliche Gelöbniss, das er bei seiner Aufnahme abgelegt hat. Es ruft ihm somit immer den grossen und unvergesslichen Augenblick in das Gedächtniss zurück, wo er in der feierlichsten Stimmung für sein ganzes Leben eine Verpflichtung übernahm, von der er nie freigesprochen werden kann, die ihm stets heilig sein soll. Möchte das Jeder bedenken!
Zweitens ist es für jeden Br. eine stete Erinnerung, dass alle seine Gesinnungen nach demselben sich richten und in edeln, rechtschaffenen und sittlich guten Handlungen ausprägen sollen. Möchte jeder Br., so oft er sich dessen bedient, an die hohe Wichtigkeit dieser Bedeutung sich erinnern und nicht blos gedankenlos, wie es meistens geschieht, diese einfachen und doch so tiefsinnbildlichen Bewegungen, wenn auch mit noch so vielem Anstande, machen!
Drittens. Es enthält drei Bewegungen, oder vielmehr drei Ruhepunkte, um ihn stets an das Grundgeheimniss der Mrei, an die h. Zahl. zu erinnern, welches seinen mächtigen Einfluss und seine folgenschweren Wirkungen auf den ganzen Bund äussert, was erst dem Mr. der höhern* Grade deutlich werden kann.
Nun etwas über das W. Mit grosser Menschenkenntniss wurde von den Gründern des Bundes gerade dieses aus einer jetzt todten und doch hl. Sprache gewählt.
Erstens, weil es eine der berühmten und geheimnissvollen S. bezeichnet, welche in der Vorhalle des weltberühmten S. T. gestanden haben. Wenn auch die Worterklärungen der Gelehrten über dasselbe verschieden ausfallen, so fasst doch der echte Maurer, der länger über diesen wichtigen Gegenstand nachgedacht hat, den wahren Sinn desselben mit der ganzen Tiefe seines Geistes auf und findet in ihm seine Beruhigung, seinen Haltpunkt, seine Kraft zum sittlichen Handeln.
Zweitens. Es enthält merkwürdiger Weise drei Stücke oder Abtheilungen, mit den uralten Lauten, welche schon vor Jahrtausenden von Menschen in diesem Sinne ausgesprochen wurden und verbindet so auf eigene Art Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit einander. Alle drei verschwinden vor dem Sterblichen und sind nur immer da vor dem Auge des ewigen B. a. W.
Drittens. Dieses geheimnissvolle W. wurde sehr zweckmässig gewählt, weil es, wie alle maurer. Sinnbilder den Aussenstehenden unverständlich ist und bleibt. Diese sehen Zeichen und hören Laute, ohne dass sie wissen, was sie bedeuten, wie sie zum Geiste des Eingeweihten sprechen und ihm eine ganz eigene Welt erschliessen. Diese liegt immer offen da — aber die Meisten wissen nicht, was sie ist — sie bleibt für sie immer ein Geheimniss.
Das letzte dieser 3 Dinge ist der G. Auch dieser ist wie die beiden ersten klug und weise gewählt und mag schon dereinst in Egypten und Griechenland von den Geheimbünden eingeführt gewesen sein.
Erstens, er enthält wieder, wie die andern, drei Bestandtheile, nämlich drei Bewegungen, die an den Mechanismus des H. erinnern und die, sowie die Thüre der Tempel, auch das Herz des Br. öffnen, dem diese Bewegungen durch den Sinn des Gefühls mitgetheilt werden.
Zweitens, darum erwecken sie wie mit einem Zauberschlage die Bruderliebe, und Männer aus den fernsten Gegenden, ja aus fremden Erdtheilen erkennen sich im Augenblick als engverbundene, gleichstrebende und gleichgesinnte Geister, welche nach Einem und demselben Ziele trachten, welche arbeiten mit Anstrengung an der Erhebung und Veredlung des Menschengeschlechts, indem sie zuerst sich selbst vervollkommnen.
Drittens, dieses Merkzeichen mit dem vorigen, lässt auch bei Nacht und im Finstern den Br. erkennen, und wenn sich auch die leiblichen Augen noch nicht gesehen haben, und die äussere Gestalt beiden fremd ist, so schauen sie einander doch mit dem Auge des Geistes an und begrüssen sich in Liebe, mit Herzlichkeit und Innigkeit. —
Nachschrift der Redaction.
Krause sagt (K. U.), dass in den Logen altenglischen Systems nicht nur ein anderes, als das bei uns übliche W. als Erkennungszeichen eingeführt sei, sondern dass auch noch andere Abweichungen hinsichtlich des Aussprechens stattfinden. Darum bemerkt er mit Recht: „Auch diese Verschiedenheit, wo keine statt haben dürfte, wenn es ein zuverlässiges, allgemeines Erkennungszeichen sein sollte, macht es nothwendig, das angebliche Logenmitglied gründlicher, nach dem innern Wesen der K. zu prüfen, ehe man sich ihm maurerisch anvertraut. Diese so oft verrathenen Erkennungszeichen erfüllen jetzt ihre ursprüngliche Absicht, wenigstens für sich allein, gar nicht mehr; und man kann daher auch nicht mehr das sonstige, so grosse Gewicht darauf legen; doch verdienen sie, ihrer Bedeutsamkeit wegen, unsere Achtung: das W. als Ermunterung zum Muth, der G. als herzlicher, zugleich auf innigeren Verein hindeutender Händedruck, das Z. als Bild des Gesetzes und der gesetzmässigen Verschwiegenheit. Sie sind vielleicht Ueberbleibsel einer sonst reicheren, allgemeinen Maurersprache."
Anmerkung der Erfassung: Der Druck kürzt die drei Erkennungszeichen durchweg als Z., G. und W. ab und erläutert an keiner Stelle deren wörtliche Ausführung — die Abhandlung bleibt in der Darstellung der Bedeutung, nicht der praktischen Vollziehung. Die Fussnote * beim ersten Auftreten von „Erkennungszeichen" lautet: „Früher waren in England ausser Z., G. und W. noch mehre andere Erkennungszeichen üblich. Vgl. Krause's Kunst Urk. A. d. R." Die zweite Fussnote * (bei „höhern Grade") ist im Druck nur mit einem Fragezeichen versehen: „*) ? —".