Die Bauhütte · Jahrgang 1 · Inhalt
Des Gatten Trost
Glökler, J. P. — Die Bauhütte. Illustrirte Freimaurerzeitung, Jg. 1, Nr. 7, S. 56 Gedicht
Einer früh vollendeten Schwester als Nachruf.
Dir eil' ich zu, gebeugt von Gram, O Grab, das mir mein Alles nahm; Ach, was mir Liebes ward geschenkt, Sie haben hier es eingesenkt.
So jung noch — und dem Grab geweiht! So jung — und schon im Todtenkleid! Verwelkt so schnell die Blüthe zart? Stirbt, was ein weich Gemüth bewahrt?
Nein, nein! Du lebst, o Theure, fort; Noch ist die Liebe unser Hort. Was irdisch, bannt das Grab allein; Was himmlisch, muss unsterblich sein!
Was himmlisch, lebt im Licht verklärt, Es lebt die Liebe, gottbewährt. Mag modern deine Hülle hier: Dein Geist umschwebt mich für und für!
Noch lacht dein Aug' mich liebend an; Die Hand, die Liebes mir gethan, Noch segnet sie so selig mich; Noch spricht dein Mund: „ich liebe dich!"
Ich liebe dich! O süsses Wort, O zittre durch die Seele fort, Bis hin auch meine Wanderfahrt, Bis meinen Staub ein Grab verwahrt!
Ich liebe dich! O süsses Wort, Du kettest Seelen hier und dort; Und Liebe, lauter, makellos, Senkt Leben in des Grabes Schooss.
Die Liebe, die mich stets gelenkt, Die Liebe, die dich mir geschenkt, Die Liebe, die dich mir entriss: Sie einigt uns im Paradies.
Wie, könnt' ich nun beim Grabe dein Noch länger jammern, traurig sein? Was irdisch, bannt das Grab allein; Die Liebe muss unsterblich sein!
Br. J. P. Glökler.
Anmerkung der Erfassung: Der Druck setzt Titel, Untertitel und die ersten beiden Strophen an das Ende der linken Spalte von S. 56; die übrigen Strophen samt Verfasserzeile stehen am Kopf der rechten Spalte. Beide Teile sind hier als ein Gedicht wiedergegeben, wie es das Register unter einem einzigen Eintrag führt.