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Die Bauhütte · Jahrgang 1 · Inhalt

Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha

Findel, J. G. — Die Bauhütte. Illustrirte Freimaurerzeitung, Jg. 1, Nr. 1, S. 4 Lebensbeschreibung

Holzstich: Brustbild Ernsts II. von Sachsen-Coburg-Gotha im Dreiviertelprofil, mit Ordensband und zwei Bruststernen; darunter die Unterschrift „Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha."
Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha (Holzstich, 1858) Die Bauhütte. Illustrirte Freimaurer-Zeitung, Jg. 1, Nr. 1 (3. Juli 1858), S. 5

Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha,

Mstr. v. St. der g. u. v. ☐ Ernst zum Compass im O. von Gotha, Ehrenmitglied der Gr. L. zur Sonne, der Gr. L. L. von Sachsen u. s. w.

Es ist wahr: Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang, und es wird daher immer als ein Meisterstück anerkannt werden müssen, wenn ein Mann, noch in der Fülle der Jahre stehend, sein Bild schon mit so glücklichen Zügen in die Zeit hinein gezeichnet hat, dass alle Mitlebenden es mit freudiger und neidloser Bewunderung anschauen und die Edelsten und Besten in dem Urtheile zusammen stimmen: „Er hat recht gebaut; er ist ein freier Mann von gutem Rufe."

So schwierig dies auch für Jedermann ist, doppelt schwierig ist es unbestreitbar für einen Fürsten, dem das Geschick die Regierung eines Staates übertragen, insbesondere für einen deutschen Fürsten des neunzehnten Jahrhunderts.

Freuen wir uns, dass wir mehre erleuchtete Fürsten mit dem traulichen Brudernamen begrüssen dürfen, darunter zwei aus dem mächtigen Hause Hohenzollern, welchen, wie der Sonne der Frührothschein, ein guter Ruf vorausgeht, zu welchen die deutsche Nation mit innigem Vertrauen emporblicken kann, in der beruhigenden Hoffnung, beide würden dereinst ihre hohe und schwere Mission so erfüllen, dass das Urtheil der Weltgeschichte hellleuchtend ausfallen müsse und deren Einer sich bereits um unseren Bund als edler Beschützer desselben ein unsterbliches Verdienst erworben. Und ein anderer Fürst hat sich jüngsthin dem Bunde angeschlossen, der, obgleich noch im besten Mannesalter stehend, schon eine reiche und gesegnete Thätigkeit hinter sich hat, ein Fürst, der von ganz Deutschland gekannt und geliebt wird als der würdige Sprosse eines Hauses, welches nicht mit dem Schwerte des Eroberers, nicht mit gewaltthätiger Hand entflammten Ehrgeizes, auch nicht durch die Schlangenwindungen arglistiger und winkelzügiger Politik, sondern auf friedlichem Wege, mit den Waffen des Geistes und Herzens die achtunggebietende und glänzende Stellung errungen hat, die es heute einnimmt, ein Fürst, den mit Recht eine ☐ bei Ertheilung ihrer Ehrenmitgliedschaft den Fürsten unter den Maurern und den Maurer unter den Fürsten genannt hat — Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha.

Am 21. Juni 1818 zu Coburg geboren, trefflich erzogen und bereichert durch ausgedehnte Reisen nach England, Frankreich, Belgien, Italien, Afrika, trat er am 29. Januar 1844 die Regierung seines Landes an, nachdem er sich bereits am 3. Mai 1842 mit Herzogin Alexandrine, der Tochter des verstorbenen Herzogs Leopold von Baden, vermählt hatte. Alsbald nach seinem Regierungsantritte legte er langwierige Zwistigkeiten mit den Ständen durch die Gesetze vom December 1846 bei und arbeitete schon damals für eine, beide Landestheile umfassende zeitgemässe Verfassung. Mit edlem Feuer und der hingebendsten Begeisterung ergriff er 1848 die auf die politische Reorganisation des Vaterlandes gerichtete Idee der Bewegung. Er übernahm sogar im dänisch-deutschen Kriege ein Commando und es wurde bekanntlich unter seinem Befehle (5. April 1849) der Sieg bei Eckernförde erfochten. In welchem Geiste er seither die Regierung seines kleinen, aber gesegneten Landes geführt und wie lebendig sein patriotisches Gefühl geblieben, ist allbekannt. „Immer sehen wir ihn", sagt ein Biograph, „seinem Volke voranschreitend, seinen Interessen zugewandt, mit ihm kämpfend und strebend, mit ihm leidend, die Schwachen durch die Kraft und Zuversicht seiner Erscheinung aufrichtend und ermuthigend, die Verfolgten schützend, eine lebendige Bürgschaft für den endlichen Sieg der nationalen Sache."

Aber nicht allein dem Gebiete des Staatslebens ist sein Interesse zugewandt, sondern auch der Wissenschaft, der Kunst und, wie wir mit inniger Freude wahrgenommen, auch der Freimaurerei. Unter den Künsten ist es vorzugsweise die Musik, welcher er mit Liebe zugethan und in welcher er, wie seine lieblichen Opern „Zayre", „Casilda" und „Santa Chiara" beweisen, selbst schöpferisch thätig ist.

Da er erkannt hatte, dass „unsere Nation im Freimaurerbunde eines der vorzüglichsten Mittel besitze, um den Stand ihrer schwer errungenen geistigen Freiheit gegen eine Rückkehr der alten Finsterniss zu bewahren und dass die Menschheit in ihm eine kräftige Vertheidigung ihres Werthes und ihrer Rechte gegen Vorurtheil und Selbstsucht besitze", zögerte er nicht länger, sich unserer altehrwürdigen Brüderschaft anzuschliessen (30. Januar 1857.) Und wie ernst dieser Schritt gemeint war, hat er bisher glänzend bewiesen, sowohl durch die Uebernahme des ersten H. der g. u. v. ☐ Ernst zum Compass in Gotha, wie durch sein bei dieser Gelegenheit gegebenes Versprechen, dass er — so lange ihm noch die Möglichkeit vor Augen stehe, die Heiligkeit unserer Sache unversehrt aus dem Kampfe mit den Profanen hervorgehen zu sehen — auf seinem Posten aushalten und freudig nach den Idealen ringen werde, welche nicht nur den Menschen, sondern vor Allen den Maurern und unter diesen den h. führenden Meistern vorschweben sollen, wie auch endlich durch das Wohlwollen, mit welchem er die Begründung dieser neuen Freimaurer-Zeitung aufgenommen, und durch die Huld und Liberalität, mit welcher er dieselbe unter seinen Schutz gestellt hat.

Möge die Brüderschaft diese neue That, diesen neuen Beweis seines maurerischen Eifers mit Dank anerkennen und zugleich sich der Worte recht lebhaft erinnern, welche der hochw. fürstl. Br. bei der Uebernahme des ersten H. in Gotha gesprochen. Wir wollen damit diese Skizze schliessen:

Das Maurerthum gab vor Jahrhunderten die Charakteristik des Zeitgeistes. Mit raschen Flügeln ist seitdem das Menschengeschlecht in seiner Entwickelung vorwärts geeilt; darum zeige nun auch das Maurerthum, dass es mit ihm gleichen Schritt gehalten; es repräsentire auch jetzt noch die höchsten Ideen des Fortschritts; in ihm spiegle sich, wie damals, veredelt nicht nur die Zeit, sondern auch das specielle Wollen ihrer Menschen — es sei eine freie Gemeinde von Gleichgesinnten, unabhängig von Staat und Kirche, dem Vorwärtsstrebenden eine leitende Hand, dem geistig und körperlich Gedrückten ein helfender Bruder, edel im Wollen, frei im Denken und freudig zur That!

Br. J. G. F.

Anmerkung der Erfassung: Der Aufsatz ist auf Seite 5 des Heftes von einem Brustbild Ernsts II. begleitet, unterschrieben „Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha." — es ist die erste Abbildung der „Bauhütte" überhaupt.

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